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4. „Mittendrin“ - Themengottesdienst

« Es ist zu wenig, es muss MEHR werden »

am Sonntag, 27.Januar 2013, um 10 Uhr, Evangelische Stadtkirche Offenburg

Gestaltet von occupyoffenburg (H.-J. Baublies, I. Lichtenstein, S. Walther)

und Pfarrer Christian Kühlewein-Roloff

 

Musik zum Eingang des Gottesdienstes

Lied EG

Begrüßung

Psalm 72 (EG 738 )

Eingangsgebet

Lied EG

 

 

 

 

 

 

 

Börsenhändler           (Hans Joachim Baublies, Empore)

 

 

 

 

Was haben wir denn hier, die Kaufmann AG möchte Geld anlegen und Geld verdienen.

Wie viel sind das heute, 10 Millionen € Wo anlegen, vielleicht in Auto Aktien, aber  die Aktienkurse sind gefallen und die Dividende nicht hoch genug. Solarenergie: hier sind die Laufzeiten zu lang, die Kaufmann AG will schnelle Gewinne  - geht auch nicht.

 

 

Ja das passt, Getreide kaufen! In Russland war die Ernte gut, das Getreide ist billig. Also in Russland kaufen, 1 Tonne Weizen 200,00 € ist gleich 10 000 000 € durch 200,00 € sind 50 000 t Weizen,  gleich ordern. Tue ein gutes Werk ,in Russland wird nicht viel am Weizen verdient..

 

 

Wo ist Getreide knapp und wo gibt es Hunger, da werden gute Preise gezahlt.

 

Jetzt mal nachschauen, wo wird für Weizen viel geboten, ja natürlich hier, die  Vereinigte Getreide und Produktenbörse Braunschweig – Hannover – Magdeburg  bietet für die Tonne Weizen 230,00 €.

 

 

Das Geschäft jetzt schnell durch die Datenautobahn, in 5 Minuten habe ich die Bestätigung, 50 000 t mal 230,00 €  die Tonne sind 11 500 000 € gleich 1.500 000 Gewinn; davon 3% Provision sind 45 000 € die gehören jetzt mir.

 

 

 

Jetzt warten, mach mal schnell alte Kiste habe dich doch aufgerüstet, nun mal los ja ja ja es hat geklappt. 5 Minuten gewusst wie, die Provision geht.

 

 

 

 So das nächste Geschäft …..

 

 

Brotfabrikant (Ina Lichtenstein,  Stefan Walther)

 

Frau Keller  <  am Telefon ruft Getreidehändler Rudolf an >

Rudolf :           Getreide + Warenhandel Rudolf, Guten Tag, was kann ich für sie tun ?

Frau Keller      Brotfabrik Frühauf Guten Morgen Herr Rudolf  hier Keller,  wir brauchen wieder Getreide. 1 Tonne Weizen zu unseren günstigen Konditionen, geht das, können sie umgehend liefern?

Rudolf             Ja, aber nicht mehr zum alten Preis. 230,00 € die Tonne Weizen heute.

Frau Keller      Was, 30,00 € Aufschlag in einer Woche.

Rudolf             Ich mache die Preise nicht, das wissen sie doch.

 

Frau Keller      Wenn ich die Teuerung an die Kunden weitergebe, können sich noch mehr Kunden, z.B. die Familie Müller kein frisches Brot mehr leisten. Wo soll das hinführen.

Rudolf             Kaufen sie nun oder nicht? Ich erfinde keine Preise. Die Preise werden an der Getreide Börse in Braunschweig ausgehandelt, die Händler könnte ich auch manchmal zum Mond schießen.

 

Frau Keller      Ja, mir bleibt ja auch nichts übrig. Ich kaufe heute aber nur eine halbe Tonne,                           vielleicht sinken die Preise ja wieder.

Rudolf             Gut, danke, die Ware ist in 2 Tagen bei ihnen auf dem Hof.

 

Frau Keller      Danke  < nachdenklich > wer bringt die Preise zur Vernunft.

 

In der Bäckerei (Hans-Joachim Baublies, Ina Lichtenstein)

 

 

Herr Müller    Hallo guten morgen bitte das Mischbrot dort.

 

Verkäuferin    geschnitten?

Herr Müller    nein danke

Verkäuferin    4 € 20

Herr Müller    was schon wieder teurer geworden. Das kann ich nicht kaufen. Haben sie kein altes Brot für den halben Preis.

Verkäuferin    heute noch nicht , kommen sie kurz vor Ladenschluss wieder ,wenn dann eines übrig ist, bekommen sie das Brot zum halben Preis

Herr Müller    und wenn nicht, bin ich umsonst noch ein mal in die Stadt gelaufen.

                        Aber was bleibt mir übrig.                                             

 

 

Orgelzwischenspiel

 

 

Kommentierungen

 

 

Hans-Joachim Baublies

 

Der Journalist Harald Schumann  hat folgendes recherchiert.

Im Jahr 2008 überschritt die Zahl der Menschen auf der Welt, die hungern oder an schwerer Unterernährung leiden, erstmals die Marke von einer Milliarde Menschen. Im selben Jahr wurde ein anderer Rekord gebrochen: Erstmals gab es mehr als 10 Millionen Dollar-Millionäre auf der Welt.

Diese 0,2 Prozent der Weltbevölkerung besitzen ein Drittel aller Vermögen auf der Welt - Tendenz stark steigend. Noch nie gab es zugleich so viel extremen Reichtum und so viel extreme Not.

Einer der Gründe für die Ausweitung des Hungers in der Welt ist die Spekulation mit Lebensmitteln. An dieser Spekulation beteiligt sind unter anderem Geldanlage Fonds der Deutschen Bank und der Allianz Gruppe. Dies ergab eine Studie der gemeinnützigen Organisation Food Watch, die sich mit den Rechten von Verbrauchern und der Qualität von Lebensmitteln  auseinandersetzt.

 


Ina Lichtenstein

 

Jeder Mensch ist verantwortlich für sein Tun und Lassen sowie für die Konsequenzen daraus. Wenn ich mein Erspartes in einen Fonds investiere, der mit den Lebensgrundlagen anderer Menschen spekuliert, beteilige ich mich an einem Kreislauf, der Hunger schafft und Elend vergrößert. Es lohnt sich also, nachzudenken und nachzufragen, was mit meinem Geld passiert. Meine Entscheidung zählt.

 

 

 Stefan Walther

 

Wir drei gehören zur occupyoffenburg-Gruppe, die sich im Oktober 2011 im Rahmen der weltweiten occupyBewegung hier in Offenburg zusammengefunden hat.

Wofür treten wir ein ?

Unserer Meinung nach haben wir zu viele Lebensbereiche, die von Marktgesetzen dominiert werden und zu wenig Gerechtigkeit und zu wenig Menschlichkeit in unserer Gesellschaft.

Wir von occupyoffenburg möchten ein Umdenken in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft:

weg von Gewinnstreben und Kapitalvermehrung und hin zum Wohl aller Menschen,

weg von vernichtender Konkurrenz und hin zu solidarischem Handel,

weg von kurzsichtigen Wachstumszielen und hin zu ökologisch nachhaltigen Lösungen.

Die Politik muss dem Gemeinwohl verpflichtet sein und sich nicht zum Erfüllungsgehilfen mächtiger Wirtschaftsinteressen machen. Die Finanzwirtschaft ist für die aktuelle Krise maßgeblich verantwortlich und muss deshalb auch die Hauptlast tragen.

Wir möchten diesen notwendigen gesellschaftlichen Wandel vorantreiben, indem wir die Menschen in Bewegung bringen und den Druck auf die Politik erhöhen.

 

 

Orgelzwischenspiel Wiederholung

 

Schriftlesung

 

Lied EG

 

Predigt „Jesus an der Wall Street – oder: es muss MEHR werden“

( Pfarrer Christian Kühlewein-Roloff )

 

 

 

„Wie kann ich schnelle Geschäfte machen? Wie kann ich noch größere Gewinne

 

mitnehmen? Was gibt der Markt her?“

 

Liebe Gemeinde!

Wir haben es vorhin im Anspiel gehört. Mehr, mehr, mehr.

Schneller, größer, reicher, stärker. Was gibt der Markt her?

Heute, am Bibelsonntag, stelle ich mir vor, was passieren würde, wenn Jesus

der Wall Street in New York einen Besuch abstatten würde – und was er zu

den Börsenmaklern sagen würde.

Wagen wir mal einen Versuch: Jesus kommt an die Wall Street.

Es ist wie jeden Tag: Die Börse brummt und tobt, hektisches Treiben.

Angebote und Zahlen werden hin- und herjongliert.

Jubel und zufriedene Gesichter auf der einen Seite,

Verzweiflung und lähmendes Entsetzen auf der anderen,

als der eine Kurs steigt, eine andere Aktie abstürzt.

Erst leise, dann immer eindringlicher ist die Stimme Jesu zu hören (Mt 6,19-21):

„Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, wo sie die Motten und der Rost

fressen und wo die Diebe einbrechen und stehlen.

Sammelt euch Schätze im Himmel, wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die

Diebe nicht einbrechen und stehlen. Überlegt doch: Wofür lebt ihr?

Was ist denn der Sinn eures Lebens? Woran hängt euer Herz?“

Die Börsenmakler reiben sich verwundert die Augen, sie wollen schon protestieren.

So kann man doch keine Geschäfte machen.“

Doch schon spricht Jesus weiter: „Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und

trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Das Leben

ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Und das Leben ist

mehr als das beste Geschäft. Ihr verfehlt euer Leben, wenn ihr so weiterlebt!“

„So ein Quatsch!“, rufen die Geschäftsleute. „Der Markt sagt, wo´s langgeht.

Das sind die Gesetze des Markts und der Macht. Und in der Natur ist es nicht

anders, da frisst auch der Stärkere den Schwächeren.“

Jesus lächelt: (Mt 6,26) „Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht,

sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater

ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie? Glaubt ihr denn, dass ihr

euer Leben auch nur um einen einzigen Tag verlängern könnt durch all eure

Geschäfte?“

„Aber ich habe doch Familie!“, ruft ein junger Makler mit rotem Kopf.

„Ich muss doch Geld verdienen! Und wenn ich nicht mit-zocke,

bin ich der nächste, den der Markt frisst!“

„Aber Jesus hat Recht!“, räumt ein älterer Kollege nachdenklich ein.

So kann es nicht weitergehen! So machen wir uns gegenseitig kaputt.

Ich merke es an mir. Meine Frau sagt: „Seit du in diesem Beruf bist,

bist du ein anderer geworden. Ich kenne dich nicht mehr.“

Und manchmal, wenn ich mir überlege, auf wessen Kosten ich meine Gewinne

mache, mag ich mich selbst nicht mehr im Spiegel sehen.“

Jesus sagt: (Mt 6,28) „Euer himmlischer Vater weiß, was ihr wirklich braucht.

Und das ist gar nicht so viel. Dankt für das tägliche Brot, für die Liebe, für

Gesundheit und das kleine Glück. Sorgt nicht für morgen, der morgige Tag hat

seine eigene Plage. Vertraut darauf, dass Gott bei euch ist und eure Sorgen mit

euch trägt. Richtet euch zuerst nach dem Reich Gottes aus und nach seiner

Gerechtigkeit. Das andere gibt´s dann gratis dazu.“

„Was ist das? Gottes Gerechtigkeit?“, fragt eine elegant gekleidete Frau.

Jesus sagt: „Dass jeder eine echte Chance zum Leben hat. Auch die hungernden

Menschen in den armen Ländern. Gott will keine Armut und Verschuldung, keine

Abhängigkeit. Er will keine seelisch zerstörten oder ausgebrannten Menschen.

Jeder soll genug zum Leben haben. Und eine gute Zukunft. Aufrecht leben, ohne

Sorgen.

„Aber wie kann das gehen?“, hakt die Frau nach.

Es ist wie bei einem Senfkorn, sagt Jesus. Das Senfkorn ist der kleinste Same,

aber wenn er wächst, wird er größer als alle Kräuter, ein großer Baum, in dessen

Zweigen die Vögel wohnen. Klein fängt es an. Aber es muss MEHR werden.

„Siehst du, jetzt sagst du es selbst!“, fallen ihm zwei Makler ins Wort.

„Es muss MEHR werden. Das ist ja auch unsere Losung!“

Aber was?“, fragt Jesus die, die um ihn herum sitzen: „Sagt mir: „Was muss denn

„MEHR“ werden, damit sich diese Welt verändert, dass sie ein neues Gesicht

bekommt?

 

 

Lasst uns gemeinsam überlegen: Was muss MEHR werden?“

 

Und Jesus mischt sich unter´s Volk (Gemeinde befragen).

 

 

 „Ihr sagt es!“, fasst Jesus das, was er hört, zusammen. „Ihr wisst selbst schon,

 

was wir Menschen brauchen und unsere Erde. Gott hat die Antworten schon in

euch hineingelegt. Ihr müsst sie nur noch leben. Mensch sein. Miteinander

teilen, füreinander da sein. Dann wird sich diese Welt verwandeln – wie ein

Senfkorn. Klein beginnt es, und es wird groß.

Der Markt, die Börse – das ist nicht alles. Das ist nur ein kleiner Teil vom Leben.

Schaut, wer mit euch lebt. Ihr habt eine Verantwortung auch für sie.

Und achtet auf euch selbst, schaut und hört in euch hinein, was noch leben will.

Was sich nach dem MEHR sehnt, dem wahren Leben.

Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.

Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden;

denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig seid ihr, die ihr euer Vertrauen auf Gott setzt, die ihr die Grenzen

eures eigenen Handelns erkennt – und verantwortlich handelt.

Es ist still geworden in der Börse. Jesus zieht sich zurück. Er sucht wieder die

Einsamkeit und das Gespräch mit Gott.

Als er nach draußen geht, bleibt er an der großen Bronzefigur vorbei: „Der Bulle!“ –

Symbol für den grenzenlosen, machtstrotzenden Optimismus der Börse.

Nachdenklich sieht Jesus ihn an. Irgendwie erinnert er ihn an das goldene Kalb.

Da kommt plötzlich ein starker Sturm auf, die schwere Bronzefigur fängt an, unkontrolliert

zu zucken – plötzlich rast der Bulle los und stürzt sich in den East River.

Die, die zurückbleiben, fragen sich verwundert: Wer ist dieser Mensch, dass er in

solch einer Freiheit denkt und lebt?

Einer der Bodyguards, der bislang ganz unauffällig an der Seite gestanden hatte,

sagt: Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!

Amen.

 

Lied EG

Fürbittengebet :

 

Hans Joachim Baublies :

Unser Mitfühlen, dabei offen und wach da sein,  öffnet den Weg zu dem  Anderen  der mir gleich Suchender in seinem Leben ist.

Wir sind wunderbar erschaffen mit großen Gaben beschenkt.

Gib mir die Aufmerksamkeit, die Geduld  und den Mut mich in meinem Lächeln, in meinem Nachfragen in meinem Zuhören zu verschenken.  

Ina Lichtenstein :

Ich möchte nicht aus den Augen verlieren, was die Entscheidungen, die ich im reichen Mitteleuropa treffe, anderswo in der Welt auslösen.

Hilf mir, meine Verantwortung mit Stolz wahrzunehmen!

Gib mir den Mut, unbequeme Fragen zu stellen!

Hilf mir beim Aufstehen gegen Resignation und Gleichgültigkeit!

Stefan Walther :

Wir bitten für die Menschen, die durch unser wirtschaften in Hunger, Armut und Ausbeutung getrieben wurden. Und wir bitten für die Menschen , die durch unser wirtschaften zu Reichtum und Macht gekommen sind. Wir hoffen auf eine gerechtere Welt, in der die Stärkeren den Schwächeren helfen.

 

 

 

 

 

 

Vater Unser

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abkündigungen

 

 

 

Stefan Walther

Wir  treffen uns regelmäßig, diskutieren die aktuellen Entwicklungen und möchten die Offenburger Öffentlichkeit mit Infoständen und Infoblättern, Presseberichten, Strassenaktionen, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zu informieren. Unser Positionspapier liegt für Sie am Ausgang zum mitnehmen.

Zum letztjährigen Salmengespräch und Freiheitstag haben wir ein breites Aktionsbündnis Offenburger Forderungen zusammengeführt und Forderungen für eine gerechte Besteuerung aufgestellt. Auch diese liegen am Ausgang für sie bereit. Aktuell arbeiten wir am Thema soziale Spaltung und insbesondere Altersarmut.

 

Wir laden Sie ein, unsere Aktivitäten interessiert zu verfolgen und an einem unserer nächsten Treffen teilzunehmen. Alle Termine und Themen finden Sie auf unserer Homepage www.occupyoffenburg.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abkündigungen - Wochenspruch – Kollekte St Ursula (Kirchenälteste)

 

 

Lied EG

Segen

 

Musik zum Abschluss

                                                                            Offenburger Tageblatt vom 24.1.2013